Vor der US Botschaft sitzen ist erlaubt

Ich komme gerade zurück von der US Botschaft vor der ich zirka 10 Minuten neben diesem A3 Plakat gesessen bin.

Mein Poster sieht ein wenig anders aus, hat aber die gleiche Botschaft.

Foto durfte ich keines machen, weshalb keines der Bilder, die hier zu sehen sind, von mir ist. Hier ist ein kurzes Protokoll dieses Experiments von Anfang an:

Weil ich nicht sehr weit zu gehen hatte, und das Wetter schön war, hab ich mich entschlossen zu Fuß zur Botschaft in die Bolzmanngasse zu gehen. Mitgenommen hab ich eine Tasche mit folgendem Inhalt: Eine Decke und ein Kissen um darauf zu sitzen, das „Free Bradley Manning“ Plakat und meine Kamera inklusive Mini-Stativ.

Dort angekommen hab ich gleich einen jungen Polizisten und einen älteren privaten Sicherheitswächter angesprochen. Das Gespräch verlief ungefähr so:

Ich: „Grüß‘ Sie, darf ich Sie um etwas bitten? Ich möchte hier 10 Minuten für den Frieden meditieren, dürft‘ ich Sie bitten mich dabei nicht zu unterbrechen?“

Sicherheitswächter: „Nein.“

Ich: „Warum denn nicht? Ich tue doch niemandem was.“

Sicherheitswächter: „Das hier ist Botschaftsgelände. Sie dürfen hier nicht meditieren.“

Ich zeige auf eine Stelle neben der Botschaft und sage: „Aber hier ist doch die Botschaft schon zu Ende, hier darf ich doch sitzen.“

Polizist deutet die Gasse ein paar Häuserblöcke hinunter und sagt: „Sie können sich da hinten auf ein Bankerl setzen. Dort dürfen S‘ dann meditieren.“

Ich: „Ich möchte aber in der Nähe der Botschaft meditieren.“

Sicherheitswächter: „Ich sag‘ Ihnen aber, dass Sie das nicht dürfen. Wollen S‘, dass ich vor Ihnen auf die Knie falle?“

Ich zeige auf das Gebäude schräg gegenüber und frage: „Ist das eine Kirche?“

Sicherheitswächter: „Nein.“

Ich zeige auf das Schild an der Fassade und sage: „Da steht aber, dass das eine Kirche ist. Vor der Kirche werde ich doch meditieren dürfen.“

Sicherheitswächter: „Sie können in der Kirche meditieren.“

Ich: „Warum soll ich nicht davor sitzen dürfen? Ich tue Ihnen doch nichts.“

Polizist: „Auf dem Gehweg dürfen Sie aber nicht sitzen, der ist zum Gehen da.“

Ich: „Aber ich brauch doch nicht einmal die Hälfte des Gehwegs und es ist sonst niemand hier, den ich behindern könnte.“

Polizist: „Nein, das ist ein Gehweg, der ist zum Gehen da, deshalb heißt er auch so.“

An diesem Punkt war mir klar, dass das Gespräch zu nichts mehr führen wird, und bin genervt weiter gegangen ohne mich zu verabschieden. Die Bolzmanngasse hat vor der Botschaft einen hohen Zaun und es bleibt für Fußgänger ein etwa 2 Meter breiter Weg, der es erlaubt zwischen Botschaftszaun und Mauer an der Botschaft vorbei zu gehen.

Foto von der Facebook-Seite der Botschaft

Etwa in der Mitte vor der Botschaft befindet sich ein kleines Glashaus für das Sicherheitspersonal vor dem noch weitere Wachleute aufgepasst haben. Dort habe ich mich dann einfach an die Mauer gesetzt. Das heißt, ich breite meine Decke aus, lege mein Sitzkissen auf die Decke und setze mich drauf. Dann lehne ich das Poster, welches ich auf Karton geklebt hatte, neben mich an die Mauer und beginne das Stativ auf meine Kamera zu schrauben.

Jetzt erst spricht mich einer der Sicherheitsleute hinter dem Zaun an und fragt: „Was machen Sie da?“

Ich: „Ich meditiere für den Frieden.“

Er: „Sie dürfen hier nicht fotografieren.“

Ich: „O.k. ich mache kein Foto, wenn Sie mich dafür 10 Minuten hier in Ruhe sitzen lassen. Ich werde niemanden stören.“

Er: „Erpressen lass ich mich nicht.“

Ich: „Ich will sie nicht erpressen. Ich wollte Ihnen nur einen Deal anbieten.“

Er: „Na gut, O.k.“

Ich lege also meine Kamera beiseite und versuche zu meditieren. Nach all den Schwierigkeiten, war ich natürlich viel zu aufgewühlt um mich wirklich konzentrieren zu können. Es war allerdings sehr interessant die Stimmung aufzufangen und einige Minuten zu beobachten.

Nach ein paar Minuten hat dann einer der Männer – ich glaube es war der erste Sicherheitswächter – meine Meditation unterbrochen und mich durch den Zaun gefragt: „Alles in Ordnung? Geht’s ihnen gut?“ Ich sage „Ja ja“ und nicke. Er: „Passt alles? Wetter ist auch ok. Schön warm ist es…“ Zuerst rätselte ich, warum er mir das sagen könnte, doch dann versuchte ich seine Bemerkungen wie eine Meditationsanleitung zu verstehen und freute mich darüber. Ja, er hat recht: Das Wetter ist schön. Ich fühle mich gut. Mir ist warm.

Ein paar Minuten später hatte ich den Gedanken, dass es vielleicht besser ist, es beim ersten mal nicht zu übertreiben. Ich möchte nicht, dass meine Meditation bei den Sicherheitswächtern oder Polizisten in schlechter Erinnerung bleibt, deshalb beschließe ich – nach zirka 10 Minuten – wieder zu gehen.

Ich stehe also auf und packe meine Tasche. Ein Polizist, der sich auf meine Seite des Zauns getraut hat, spricht mich an und fragt mich nach meinem Ausweis. Ich gebe ihm meinen Führerschein, und während er meine Daten aufnimmt, bedanke ich mich bei ihm und sage: „Ich bin sehr froh, dass man in Österreich noch vor der US Botschaft für den Frieden meditieren darf.“

How dare you do this to Bradley Manning?

Polizist: „Fotografieren dürfen Sie hier aus Sicherheitsgründen nicht, weil das hier Botschaftsgelände ist. Aber hier sitzen ist nicht verboten, zumal Sie ja auch einen guten Grund haben.“

Ich: „Ja. Folter ist nicht okay, auch wenn es die Amerikaner machen.“

Polizist: „Ja, Menschenrechte gelten überall.“

Ich schüttle ihm die Hand und verabschiede mich.

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